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Rau und ungehobelt

Der niederländische Möbeldesigner Piet Hein Eek ist ein Purist, der aus alten, abgenutzten Materialien wunderschöne neue Dinge erschafft. Und der von einer Welt träumt, in der niemand mehr etwas wegwirft.

Aus Alt mach Neu – das ist die Spezialität des niederländischen Designers Piet Hein Eek, dessen Arbeiten inzwischen nicht nur auf Design- und Kunstmessen zu sehen sind, sondern auch in Museen wie dem MoMA in New York. Egal, ob Abfallholz, Industrieschrott, Textilrestposten, ausrangierte Türen oder Fenster: Wie kein anderer weiß der 48-Jährige das, was andere wegwerfen und als ausgedient betrachten, in neue Produkte zu verwandeln – verblüffend rau und robust, verblüffend schroff, verblüffend schön. Eek gehört zu den wenigen Designern, die es nicht dabei belassen, ein Produkt nur zu entwerfen – er will es auch selbst herstellen. Dass seine Entwürfe dadurch nur in kleiner Stückzahl oder als Unikate auf den Markt kommen, nimmt er in Kauf.

Schon gleich mit seiner Examensarbeit 1989 erlebte er den Durchbruch: „Ich sollte einen alten kaputten Schrank für meine Schwester reparieren und entdeckte, dass ich altes Holz eigentlich viel schöner fand als neues.“ So entstand der Scrapwood Cupboard. Eek hat ihn aus verschiedensten Bretterresten zusammengeschraubt und damit in der Designwelt ein kleines Erdbeben verursacht: Das hatte es noch nie gegeben, das war nicht glatt und makellos, sondern rau und ungehobelt, mit abblätternder Farbe und sichtbaren Schrauben. Unerhört! Unerhört kraftvoll, unerhört schön.

Seitdem gilt er als „Brett Piet“ oder auch als der „Mann auf dem Holzweg“. Dabei arbeitet er längst nicht mehr nur mit Holz, sondern auch mit Metall, Glas und Textil. Aber egal, ob daraus Lampen, Sessel oder Schränke entstehen: „Ich gehe nach wie vor vom Material aus. Grundsätzlich.“ Think simple!, lautet seine Devise: „Ich suche immer den einfachsten Weg.“ Er wirft so gut wie nie etwas weg und macht selbst aus dem Abfallholz seiner Abfallholzmöbel noch etwas. So entstand die Serie Afval afval: Tische und Stühle aus bunten Holzklötzchen, alle vier mal vier mal vier Zentimeter groß. Für den „finishing touch“ werden sie siebenmal in Handarbeit lackiert, dann glänzen sie wie kleine Keramikkacheln. Schleifen, lackieren, schleifen, lackieren – das hat seinen Preis. Doch Eeks Kunden sind bereit, ihn zu zahlen. Und bleiben einem Eek-Tisch oder -Schrank oft ein Leben lang treu. Dadurch kommt Eek mit jedem Kunden seinem Ideal etwas näher: einer Welt, in der niemand mehr etwas wegwirft und Recycling überflüssig ist.

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